Eine Fußballlegende kickt für Zeitz

ZEITZ/MZ. Wieder zu Hause: Fußballer Jörg Böhme zu Gast in seiner Heimatstadt. Der ehemalige Bundesligastar steht vor seinem Elternhaus in der Martin-Planer-Straße in Zeitz-Ost. "Auf dem Spielplatz haben wir als Kinder stundenlang gekickt", erinnert er sich. Seit seiner Kindheit ist Böhme in das runde Leder verliebt. "Er ging sogar mit dem Fußball ins Bett", verrät Mutter Christa Böhme.

Für das Benefizspiel am Sonnabend im Puschendorfstadion ist Böhme aus Bielefeld in seine Heimat zurückgekehrt. Damit folgte der zehnfache Nationalspieler einer Einladung der Stadtwerke Zeitz. Aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens haben sie diese Partie mit Unterstützung der Stadt organisiert, um den Opfern der Natur- und Atomkatastrophe in Japan zu helfen. Der 37-Jährige läuft bei den Elsterstädter Oldies auf und tritt gegen die Senioren A von Bayern München an.

"Ich habe bei der WM 2002 Japaner kennen und schätzen gelernt. Die Veranstaltung im Puschendorfstadion dient einer guten Sache. Es ist für mich eine Ehre, bei diesem Spiel dabei zu sein", erzählt er. Böhme hofft auf ganz viele Zuschauer und wird auf jeden Fall spielen, vermutlich im Mittelfeld. "Ich denke schon, dass es eine Halbzeit geht", sagt der einstige Profi aus der Bundesliga. Ihn plagen seit Jahren Knieprobleme und deswegen musste er seine Karriere bei dem damaligen Erst-Bundesligisten Arminia Bielefeld vor drei Jahren vorzeitig beenden.

Böhme erzählt: "Ich komme gern nach Zeitz, hier stecken die Wurzeln meiner Laufbahn. Ich hatte das Glück, dass ich in meiner Ausbildung bei Chemie Zeitz und im damaligen Trainingszentrum hervorragende Trainer hatte." Der einstige Nachwuchsleiter von Chemie Zeitz Walter Böttner erinnert sich: "Jörg kam als Riesentalent zu uns. Sein sportlicher Ehrgeiz war für sein Alter außergewöhnlich. Er arbeitete ständig an sich." Der positiv Fußball-Besessene, so bezeichnet ihn Böttner, feierte bei Chemie seine ersten Erfolge bereits im jüngsten Nachwuchsbereich. "Wir gewannen in der Altersklasse neun ein großes Turnier in der Halle am Platz der deutschen Einheit, wurden Erster vor Carl Zeiss Jena und dem Berliner FC Dynamo. Das war damals eine kleine DDR-Meisterschaft", sagt Böhme. Auch an das Spieljahr bei den Zeitzer C-Junioren 1986 / 87 erinnert er sich. "Wir gewannen das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Quedlinburg und wurden Bezirksmeister."

Nach seiner Kinder- und Jugendzeit bei Chemie Zeitz besuchte er die Kinder- und Jugendsportschule in Jena. Es folgten Jahre als Profi beim FC Carl Zeiss Jena. Später beim 1. FC Nürnberg, bei Eintracht Frankfurt, TSV 1860 München, Arminia Bielefeld, FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Dann wieder in Bielefeld. Auf insgesamt 230 Erstliga-Punktspieleinsätze kam der Mittelfeldspieler. Die erfolgreichste Zeit seiner sportlichen Karriere erlebte er bei den königsblauen Schalkern, zu denen er 2000 wechselte. Mit zehn Bundesliga-Treffern, einer frecher als der andere, schoss er sich in nur einem Jahr in die Herzen der Fans und in die deutsche Nationalmannschaft. Allerweltstore waren seine Tore nie. Und auf solchen Ballzauber hoffen seine Fans an der Elster.

"Auf Schalke, wo ich viereinhalb Jahre spielte, bleiben die zwei DFB-Pokalsiege in bester Erinnerung", sagt der Linksfuß, der zum Schrecken der gegnerischen Spieler und Torhüter wurde. 2001 erzielte Böhme gegen Union Berlin beide Tore zum 2:0-DFB-Pokaltriumph. "In Gelsenkirchen fuhren wir nach diesem Erfolg durch die Stadt zum Rathaus und wurden von 300 000 Fans gefeiert. Wenn ich heute daran denke, bekomme ich noch eine Gänsehaut", so der Doppeltorschütze des Finales im Berliner Olympiastadion.

In seiner Laufbahn gibt es auch traurige Geschichten. Er stand bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan vor der Nominierung im Achtelfinale gegen Paraguay. "Trainer Rudi Völler hatte meinen Einsatz bei der Pressekonferenz bereits bekanntgegeben. Aber ich bekam vom Teamarzt Müller-Wohlfahrt wegen einer Knieverletzung keine Spielgenehmigung", sagt der Nationalspieler. Danach reiste er vorzeitig mit Müller-Wohlfahrt nach Deutschland ab, um sich behandeln zu lassen.

Für den früheren Bundesligastar beginnt ein neues Sportkapitel. Er wird ab Juni zehn Monate die Sportschule Köln besuchen. Dort erwirbt er den Trainerschein zum Fußball-Lehrer. Später will er seine Erfahrungen im Profibereich als Trainer weitergeben. Der erfolgreichste Fußballer des Burgenlandkreises verbringt noch einige Tage in der Elsterstadt. Heute schaut er sich die Ausstellung "Zur Geschichte des Zeitzer Chemiefußballs" im Gemeindezentrum Droßdorf an. Auch hier spielt er eine zentrale Rolle, ist auf Fotos zu sehen.

Anstoß zum Benefizspiel erfolgt am Samstag um 16 Uhr im Zeitzer Puschendorfstadion.

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