Experimente in der Viererkette

ZEITZ/MZ. Der Kugelschreiber kam gar nicht zur Ruhe. Eifrig kritzelte Gunter Grimm 90 Minuten lang bei nahezu jeder Szene im Testspiel seiner Mannschaft gegen den SV Kretzschau irgendetwas in sein kleines Büchlein. Einen Tag später gab es genauso viel zu schreiben. Da spielte der 1. FC Zeitz gegen SG Rosenthal Blankenstein und verlor mit 0:3. Was genau Grimm notierte, bleibt vermutlich sein Geheimnis. Gut möglich ist aber, dass irgendwo in diesem Büchlein ein Satz steht wie: Krohne schießt ein Tor. Mit ein paar Ausrufezeichen dahinter. Ja genau, Sebastian Krohne, vor einem Jahr aus Kretzschau als Torhüter zum 1. FC gewechselt, erzielt nun ausgerechnet gegen seinen alten Verein einen Treffer.

Dass der 22-Jährige als Stürmer spielt und nicht zwischen den Pfosten steht, ist Teil der Experimentierfreudigkeit des Landesklasse-Vertreters. Ganz freiwillig ist das nicht, sagt Grimm: "Wir müssen schauen, was alles möglich ist. Der Kader ist in diesem Jahr kleiner als vergangene Saison." Hinzu kommen ständig Verletzungen von Spielern, wie Benjamin Siebert, der an einer Leistenverletzung laboriert. Grimm musste in der Vorbereitung umstellen und konnte noch nicht ein einziges Mal mit seiner Wunschelf testen. Immer wieder müssen Lücken geschlossen, Spieler an andere Aufgaben gewöhnt werden. Jüngstes Beispiel ist Stefan Meißner, der von der rechten Abwehrseite in die Innenverteidigung wechselt. "Im Trainingslager haben wir ihn allmählich herangeführt. Er ist im Abwehrzentrum eine Alternative", sagt der Trainer.

Beim 4:1-Sieg in Kretzschau stand jedoch wieder ein anderer neben Routinier Steven Knechtel in der Viererkette. Michael Fiedler, eigentlich für das offensive Mittelfeld gedacht. "Man muss immer damit rechnen, dass etwas schief geht. Und dann müssen wir vorbereitet sein", sag Grimm. Im Tor des 1. FC deutet sich unterdessen ein Generationswechsel an. Daniel Rost ist nicht mehr erster Torwart, wer ihn ersetzt, entscheidet sich in den letzten beiden Wochen der Testphase. Am Freitag übernahm Florian Baier Rosts Posten, Benjamin Grunert oder Sebastian Krohne wären Alternativen.

Alternativen, die man im Mittelfeld der Mannschaft zuletzt vermisst hat. Sebastian Holz war verletzt, konnte gegen Kretzschau nicht auflaufen, Fiedler stand wie erwähnt in der Innenverteidigung. Mit Tom Hillger und Christopher Braun stellte Grimm zwar zwei Nachwuchsspieler auf, die aber noch Zeit brauchen, wie er sagt. "Die Jungs sind gut und engagiert, aber haben hier und da noch Nachholbedarf." Immerhin: Hillger traf zum zwischenzeitlichen 3:0 gegen Kretzschau und dürfte seinen Platz im Büchlein von Gunter Grimm sicher haben. Vielleicht ist darin auch geschrieben, wie er sich die Mannschaft vorstellt, die am 25. August zum Saisonstart gegen Rotation Halle aufläuft. Sebastian Krohne zählt womöglich nicht dazu. Zumindest nicht im Sturm.

Ronny Banas

 

 


 

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