Aus dem Tagebuch eines Fußballverrückten

„TGIF*“ ist nicht nur bei der Jugend beliebt. Auch im hohen Fußballalter dreht sich alles um den fünften Wochentag. Hier ist der Beweis:

Freitag:
Alter Schwede war das ein Match. 3:3 gegen Rot-Weiß Weißenfels. Ein Spiel auf hohem taktischen Niveau und eminent hohem Tempo, dann noch ein Ergebnis, mit dem alle leben konnten. Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Kurz mit den Gästen abgeklatscht und dann rein in die Vorbereitung auf das nächste Match. Natürlich muss der Flüssigkeitshaushalt des ausgelaugten Körpers aufgefüllt werden, was gibt es da besseres als ein gekühltes Bierchen, oder zwei, drei………

Samstag:
Der Tag danach. Alles tut weh, wer bestellt den Kran, der den Spieler aus dem Bett hebt. Dann noch die Kopfschmerzen vom ausgleichen des Flüssigkeithaushalts. Aber es ist ja Samstag, also werden alle Crushed-Eis Vorräte der umliegenden Supermärkte aufgekauft. In Ermangelung einer Eistonne kommen diese alle in die Badewanne und dann rein und regenerieren. Auf die Frage der Ehefrau was dieser Quatsch bedeuten soll, antwortet der Spieler: Was willste, willste, dass wir gewinnen oder was. Die Ehefrau verläßt konsterniert das Bad.

Sonntag:
Dem Spieler geht es besser. Morgens ist die Zeit der passiven Erholung, also ab auf die Couch. Die Angetraute verleiert die Augen, aber ein Altherrenspieler muss alles dem Erfolg unterordnen. Nachmittags geht es zum Fußball schauen, irgendwo ist immer ein Spiel, und den einen oder anderen Trick kann man sich immer abgucken, sei es auch nur die Blutgrätsche eines übergewichtigen Verteidigers.

Montag:
Nach der Arbeit geht es ins Vereinsheim. Irgendjemand wird schon da sein, dem man seine Heldentaten vom Freitag erzählen kann. Das irgendwann niemand mehr zuhört, wie man den siebzigjährigen Stopper der Gästemannschaft stehen lassen hat, interessiert diesen nicht. Irgendwann führt man eben Selbstgespräche, das Alter hat man ja.

Dienstag:
Zeit für aktive Erholung. Da Joggen nichts für die geschundenen Knie sind geht es auf das Fahrrad. Nach anlegen des Brustgurtes, um das Herz zu überwachen und des Blutdruckmessgerät geht es los. Mit rasanten Tempo von ca. 15 km/h geht es in die nächste Gartenkneipe. Das diese bereits nach 5 Kilometern auf dem Weg liegt, ist nicht die Schuld des Spielers. Zurück geht es dann zu Fuß, weil ja durch die rasante und weite Fahrt transpiriert wurde und der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen werden musste ( siehe oben ).

Mittwoch:
Zeit um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Am Freitag geht es gegen die Mannschaft aus der Stadt ohne Bahnhof, den ZFC Meuselwitz. Der Scout unseres Teams hat die letzten drei Spiele der Meuselwitzer aufgenommen. Nun trifft sich das Team in der Gartenlaube unseres Managers, welche zur WM-Arena umgebaut wurde, zur Videovorbereitung. Nach drei Stunden Vortrag des Trainers sind fast alle eingeschlafen. Quintessenz des ganzen: Wir müssen auf den Rechtsaußen und den zentralen Mittelfeldspieler aufpassen. Das beide am Freitag nicht mitspielen, geschenkt.

Donnerstag:
Heute wird das Equipment vorbereitet. Eine gute Vorbereitung ist der halbe Sieg. Also Schuhe geputzt, natürlich schwarz, bunte Schuhe sind neumodischer Schicki-Micki Kram. Ist die Finalgon-Tube gut gefüllt? Sind alle Bandagen für beide Knie und die Sprunggelenke in Ordnung? Dann noch die Palette Energy-Drinks bereit gestellt, es kann losgehen.

Freitag:
Match-Day. Schon morgens kribbelt es. Die Zeit bis zum Anpfiff zieht sich. Das Spiel steht unter dem Motto des Spruches von Bill Shankly, welcher sagte: Einige Leute halten Fußball für eine Frage von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich versichere Ihnen, dass es viel viel wichtiger als das ist. Ja so ist es und erst recht beim Altherrenfußball. Irgendwann geht es auf ins altehrwürdige Thälmannstadion. Ein Treffpunkt ist nicht ausgemacht, nach und nach trudeln alle ein. Energy Drinks und Bierchen greiseln durch die Reihen. Dann geht es in die Kabine, alle Bandagen werden angezogen, die hypersensible Muskulatur wird mit Finalgon behandelt. Nach kurzer Ansprache des Coaches geht es raus aufs Feld. Schnell führt unsere Mannschaft mit 4:0. Die Gäste verkürzen vorm Halbzeitpfiff auf 1:4 und kommen nach dem Wechsel gefährlich zum 3:4 auf. Dann aber die Treffer zum 5 bzw. 6:3 für unsere Oldies. Alles in allem ein souveräner Sieg. Und nach dem Spiel ist vor dem Spiel, nächste Woche kommt Schmölln, die Altherrenfußballwoche beginnt wieder………………………

Trainer Hädicke stellte auf: Pachulski, Wendler, Jahns, Hermann, Hartung, Schlegel, Fiedler, Engert, Baumann, Fahr, Langenberg, Baierl, Klett und Puhr
Schiedsrichter war Markus Huth und als Fans waren Thomas Wußling und Moppel Schröder anwesend

*TGIF – Thank God It`s Friday

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