Am 3.April sollte es losgehen. Winterpause ade, die neue Saison der alten Herren sollte mit dem Spiel in Pegau beginnen. 25 Akteure (so viele sind beim ersten Spiel immer da) sitzen in der Kabine und lauschen andächtig den Worten ihres Coaches. Wer spielt, wer sitzt auf der Bank? Es hätte so schön sein können, aber hätte hätte Fahrradkette. Das Corona Virus macht auch um unsere Oldies keinen Bogen und so ist ungewiss wann die Serie beginnt, ganz gut so, denn der eine oder andere kommt dem Risikoalter schon ziemlich nah.
Aber was macht ein Altherrenspieler um sich auf den Tag X vorzubereiten. Hier ein kleiner, wie immer nicht ganz so ernst gemeinter, Exklusivbericht.
Montag
Endlich Feierabend, rauf auf die Couch. Plötzlich klingelt es, die Post möchte ein Einschreiben mit Rückantwort zustellen. Es rattert im Kopf des Spielers. Bußgeldbescheid? Kontenpfändung des Finanzamtes? Scheidungspapiere? Nichts von alledem. Der Coach hat seinen Trainingsplan für die Woche geschickt und geht auf Nummer sicher, man kennt ja seine Pappenheimer. Heute ist noch Pause, aber morgen geht es los.
Dienstag
Nachmittag wird der Trainingsplan des Trainers umgesetzt. 15 km Waldlauf. Kein Problem, trotzdem ist der Spieler danach ziemlich kaputt. Auch hier überlässt der Trainer nichts dem Zufall. Alle Trainingsdaten will er auf seinen Laptop gesendet bekommen. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Kurz noch beim stets bemühten Spielmacher durchgeklingelt. Dieser lacht sich scheckig. Was du bist gerannt? Ich habe mein Handy dem Hund umgebunden und diesen losgeschickt, Trainer wollen beschissen werden.
Mittwoch
Berganläufe an einem Berg seiner Wahl. Nun gut, nicht ganz. Steinsgraben, Wasserberg, Pulverberg, Wendischer Berg oder Scharrenstraße müssen es dann doch sein, laut Trainer jedenfalls. 10 mal hoch, das schlaucht, aber ohne Fleiß……, naja ihr wisst schon. Und auch von dieser Einheit will der Trainer wieder alle Daten haben.
Am Abend auf der Couch dann noch ein kurzer Exkurs in vergangene Zeiten. In Ermangelung von anderen Personen muss, wegen Ausgehsperre, Kontaktsperre etc., die Angetraute herhalten. Weißt du noch damals, als ich Braunsbedra allein aus dem Stadion gespielt habe. Das die Angetraute schon nach 5 Minuten eingeschlafen ist hat der Spieler nicht mitbekommen und so endet sein Monolog kurz vor Mitternacht mit den Worten: Früher war eh alles besser.
Donnerstag
20 km Fahrrad fahren. Rauf auf den Drahtesel und rein in die Elsteraue. Auch diese Einheit spult der Akteur ohne zu murren runter. Immer wieder vor Augen am Tag X fit zu sein. Auf dem Rückweg kommt er am Thälmannstadion vorbei und was er sieht treibt ihm die Tränen in die Augen. Leer, alles leer. Kein Training, keine rennenden Kinder, keine Eltern, die ihren Sprösslingen zuschauen und schon gar keine Meckerrenter, die den Spielern der Ersten sagen wie man denn spielen muss um aufzusteigen, naja irgendwann wird es wieder losgehen.
Freitag
Matchday. Der Altherrenspieler will alles so geschehen lassen als würde das Spiel stattfinden. Ausgangssperre hin oder her. Also setzt er sich in sein Auto und parkt kurz darauf in Pegau am Sportplatz ein. Die Sporttasche mit allem drum und dran natürlich dabei. Kurz nochmal geschaut ob noch jemand da ist, aber er ist allein. Also raus aus dem Wagen und rauf auf den grünen Rasen. Alter, waren das Zeiten wo er hier die Seitenlinie rauf und runter sprintete, na gut so schnell wie möglich lief.
Das in der Zwischenzeit ein blau weißer PKW mit komischen blauen Lichtern auf dem Dach neben ihm steht bekommt er nicht mit. Kurz darauf fragen die Uniformierten was er denn hier suche. Die Erklärung muss nicht sehr plausibel geklungen haben, denn er muss mit aufs Revier. Nach vier Stunden Verhör beraten sich die Polizisten. Der Spieler hört Wortfetzen wie Lagerkoller, wer weiß was der für ne Frau hat oder: Der musste bestimmt mal raus. Jedenfalls darf er danach nach Hause fahren, mit vorheriger Belehrung natürlich.
Samstag
Früh fragt die Angetraute wo er denn gestern so lange gewesen sei. Puh, nun ist guter Rat teuer. Er entscheidet sich für eine Notlüge. Habe alle Supermärkte der Gegend abgefahren auf der Suche nach Toilettenpapier, Küchentüchern und anderen Hygieneartikeln. Das hat gedauert. Auf ihren Einwand, dass doch schon 10 Packungen Toilettenpapier im Keller liegen, schweigt er betreten.
Den Rest des Tages verbringt er mit Bildungsfernsehen. Er schaut Bundesligaklassiker, zum Beispiel Cottbus gegen Unterhaching aus dem Jahr 2000. Irgendwas kann man sich immer abschauen, sei es die Blutgrätsche eines Verteidigers oder die Schwalbe eines übergewichtigen Stürmers. Man lernt nie aus.
Sonntag
Nach dem Frühstück wird geskypt. Der Coach hat Redebedarf. Mit meinen Trainingsleistungen ist er nur teilweise zufrieden. Der stets bemühte Spielmacher war zum Beispiel beim Waldlauf wesentlich schneller als ich. Könnt ihr euch das erklären?
Dann noch die Drohung, respektive Hinweis, morgen die Post zu öffnen und den zugesendeten Trainingsplan 1 zu 1 umzusetzen.
Leute hoffentlich geht das mit dem Virus bald vorbei, wir wollen doch alle nur kicken
In diesem Sinne, macht es gut und bleibt alle schön gesund, dass wird schon.
Offiziell ruht der Ball auf allen Sportplätzen des Landes. Deshalb ist momentan individuelles Training angesetzt. Die B-Junioren des 1. FC ZEITZ sammeln ihre Ergebnisse und fordern sich gegenseitig zu Jonglierwettbewerben auf. Für die Ferien haben sich die Übungsleier Martin Broncel und Sebastian Holz etwas Besonderes einfallen lassen: Sie wurden mit einem 5 KG-Hantelset gesehen.
Alles Gute zum 90. Geburtstag – Lothar „Zinner“ Neumann
Jedem der sich in Zeitzer Fussballkreisen auskennt, ist Lothar Neumann besser unter seinem Spitznamen „Zinner“ bekannt. Er gehört seit Jahrzenten zu den Ausnahmespielern der BSG Chemie Zeitz. Unvergessen bleibt der 09.11.1958 – dem Tag als er die BSG Chemie Zeitz in die Oberliga köpfte.
Vor über 8000 Zuschauern spielten die Chemiker auf dem Platz der Einheit im entscheidenden Spiel gegen Lok Stendal um den Aufstieg in die Oberliga. Nach einer Rechtsflanke von Herbert Krontal erzielte er den 2:1 Siegtreffer per Flugkopfball. Die Meisterschaft und der Aufstieg in die DDR Oberliga waren für die Zeitzer nun perfekt.
Seine Anfänge machte Lothar Neumann bereits in der Schülermannschaft der Zeitzer Sportvereinigung Rot-Weiß. 1946 bildete er zusammen mit Manfred Kaiser, dem späteren Nationalspieler und „Fussballer des Jahres“ 1963 in der DDR, in der Jugend den rechten Flügel.
Als 17-Jähiger wurde er zum ersten Mal in der 1. Mannschaft der damaligen ZSG Zeitz (Bezirksklasse) als „Halbrechter“ eingesetzt und konnte sich schnell als Stammspieler behaupten. So hatte er bereits mit 19 Jahren seine ersten Einsätze in der Landesauswahl Sachsen-Anhalt.
Eine langwierige Knöchelverletzung 1951 zwang Ihn aber dann zu einer fast einjährigen Zwangspause. Aber bereits zu Beginn der Saison 1952/53 stand wieder in der Stammelf und entwickelte sich immer mehr als Führungsspieler. Das sprach sich bald bei den Auswahltrainern rum und so stand er 1954 beim Länderspiel in Leipzig zwischen der DDR und Rumänien im Kader der B-Nationalmannschaft.
In den beiden Jahren der Oberligazugehörigkeit (1959 und 1960) glänzte der technisch versierte Mittelfeldregisseur und Kapitän aber auch als Vorlagengeber für den Torjäger Bernd Bauchspieß.
Lothar Neumann gehörte zu den wenigen Zeitzer Fussballgrößen, die allen verlockenden Angeboten anderer Vereine immer widerstanden haben. Obwohl der symphatische und immer gut gelaunte „Zinner“ heute mit einem Augenzwinkern gesteht, bei Chemie Leipzig einen Spind schon mal von innen gesehen zu haben, ohne das es die Verantwortlichen in Zeitz damals wussten.
Nach einer schweren Verletzung und Knieoperation wurde Lothar Neumann zur Einweihung des Ernst-Thälmann-Stadions im Juni 1962 vor großer Kulisse aus der 1. Mannschaft verabschiedet.
Doch bereits im Oktober 1963 feierte er sein Comeback und spielte noch einige Jahre in der DDR Liga. Sein endgültig letztes Spiel machte er erst 1966 auf der Rumänienreise unter dem Trainer Rudi Krause.
Nachdem er 1967 noch in der 2. Mannschaft spielte und seine aktive Zeit beendet hatte, schaffte er als Trainer mit Aktivist Theißen 1968/69 den Aufstieg in die Bezirksliga Halle.
Aber auch bei den Chemikern stellte er sich in der Saison 1969/70 als Trainer der 1. Mannschaft zur Verfügung.
Ab 1971 trainierte er Kinder- und Schülermannschaften bei der BSG Chemie Zeitz und gab so sein großes Fachwissen an die nächste Generation weiter. Im Trainingszentrum war er dann noch bis 1982 als Nachwuchstrainer tätig (Foto 1975 mit den Knaben in Unterloquitz).
Am Ende seiner aktiven Laufbahn war er von 1950 bis 1966 bei 282 Meisterschaftsspielen der Oberliga und DDR-Liga dabei und erzielte 88 Treffer.
Seit vielen Jahren ist er, zusammen mit anderen Zeitzer Fussballgrößen, Bestandteil der wöchentlichen Stammtische und besucht diese regelmäßig.
Anlässlich der Ausstellung zum 25. Jubiläum der Gründung des 1. FC Zeitz und 60 Jahre Oberligaaufstieg im Juli 2019 war Lothar Neumann ständiger Gast und konnte mit vielen ehemaligen Sportfreunden von den großen Zeiten berichten.
Wir wünschen Lothar viel Gesundheit und Freude im Kreise seiner Familie.
Momentan ist der 1. FC Zeitz ja von den Männern bis zu den Bambinis unschlagbar. Auch die Radiomacher vom MDR haben sich gemeldet und wolten mal horchen, was zur Zeit so abgeht. Hier könnt ihr mithorchen.
Konrad „Konny“ Grzyb wurde am 22.03.1930 in Reuden geboren. Die Karriere begann er zwischen den Pfosten in Gotha und Nordhausen. Von 1954 bis 59 war er Stammtorwart in der DDR-Liga von Wacker Nordhausen und spielte in der Bezirksauswahl Erfurt. Als die BSG Chemie Zeitz 1959 in der Oberliga spielte, wechselte er von Nordhausen nach Zeitz.
In Zeitz gehörte er 1959 zum Kader der Oberligamannschaft. Nach seiner aktiven Zeit war er ehrenamtlich als Mannschaftsleiter tätig und begann 1970 als Sektionsleiter Fußball bei der BSG Chemie Zeitz.
In 20-jähriger Tätigkeit hat er viele Trainer erlebt, Spieler sind gegangen und gekommen. „Man musste viel für das Umfeld der Spieler tun. Einen guten Job im Hydrierwerk, eine Wohnung und einiges mehr waren die Voraussetzungen dafür, dass man Zugänge zu verzeichnen hatte und gute Spieler halten konnte“, erzählt Grzyb. Und er ergänzt, dass er von der Werksleitung des damaligen Trägerbetriebes Hydrierwerk große Unterstützung erhielt, um gute Bedingungen für die Fußballer zu schaffen.
Er erlebte aber auch die Schattenseiten des Sports. „In Halle hatte man es nicht für gut gehalten, dass wir 1972/ 73 um den Aufstieg in die Oberliga spielten. Der HFC – damals Leistungszentrum – stieg zu jener Zeit aus der höchsten Spielklasse ab. „Harte Kritik richtete sich gegen uns. Wir hätten gegen die Beschlüsse zum Leistungsfußball gehandelt und Halle nicht unterstützt“, erinnert er sich.
Konrad gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des 1. FC Zeitz und besuchte lange Jahre die Spiele seiner Mannschaft.
Leider geht es Ihm gesundheitlich nicht so gut. Wir wünschen Ihm beste Gesundheit und Freude im Kreis seiner Familie.